Mitt år hos Pettson och Findus

 
23Sept
2014

Der letzte Eintrag

Eigentlich war ich mir immer sicher gewesen, wie der letzte Eintrag heißen würde: Borta bra men hemma bäst. Unterwegs ist es gut, aber zu Hause am Besten. Aber so nenne ich ihn heute doch nicht. Inzwischen bin ich seit über zwei Monaten wieder in Deutschland, und die ganze Zeit habe ich das hier vor mir her geschoben. Ja, ich bin wieder in Deutschland, ich bin zu Hause, aber gleichzeitig bin ich auch verdammt weit davon entfernt. Das hier aufzuschreiben macht das ganze noch viel trauriger irgendwie. Ich weiß nicht, wie viele von euch meine kleinen Geschichten und Gedanken aus Schweden verfolgt haben, aber ich habe sie immer gerne für euch aufgeschrieben. Ab heute ist das also vorbei. Der letzte Eintrag. Ich habe jetzt schon etwas Angst davor, gleich auf "Eintrag veröffentlichen" zu klicken und das hier für immer zu beenden. Und so viel anderes ist schon viel länger vorbei. Zeit für ein Fazit: Ich hatte ein großartiges Jahr in Schweden, und ich würde es jederzeit wieder so machen. Ich habe wunderbare Sachen erlebt, tolle Menschen getroffen, unendlich viel gelernt, gesehen, gelacht. Der Packart Twin Six (1921) und der G.N. Twin (1920) auf meiner Tatpete sind jetzt weit weg, meine Freunde über halb Europa verstreut. Aber Schweden hat mich verändert. Manchmal fällt es mir in kleinen Dingen auf: Mir fehlen Ausdrücke wie "Tack för i dag" ganz schrecklich, und oft sage ich Danke, obwohl es Bitte sein müsste, und alle sind verwirrt. Am Liebsten würde ich manchmal den ganzen Tag über Schweden reden, und nachts träume ich davon. Aber das ist okej, denn hier ist es auch schön, mein Sommer war wirklich toll, auch wenn mich an manchen Tagen Heim- und Fernweh packen und ich dann gerne überall wäre, nur nicht hier. Denn das habe ich gelernt: Zu Hause ist ein schwammiger Begriff. Natürlich ist hier mein zu Hause, aber Stockholm eben auch. Zu Hause entsteht schnell. Und Stockholm war ein tolles zu Hause! Der Katarinahissen beim Sonnenuntergang, das Rattern der tunnelbana, Schaukeln der Fähre, Summen der Touristen. Die riesige Pizza am Zinkensdam, vielleicht ein Abstecher nach Jakobsberg, den halben Tag bei IKEA verbringen. Das Rascheln der Metro-Zeitungen im Bus, Kastanien auf Djurgården, letzte Sonnenstrahlen über dem Strandvägen, Multikulti im Keller vom Liffeys in Gamla Stan, milliarden Bücher im Tempel der stadsbiblioteket, unzählige Straßen und Winkel. All das Leben. Natürlich fehlt mir das, aber man kann ja zurück kommen. Ich komme bestimmt bald zu Besuch!

Erstmal aber ziehe ich weiter. Ein neuer Abschnitt, ein neues zu Hause.

Ich werde euch vermissen! Jag kommer sakna er!

08Juli
2014

Zurück nach Deutschland

Meine Rückreise nach Deutschland war noch mal ein richtiges Highlight. Meine Tante und mein Pappa haben mich in Stockholm abgeholt, und dort vorher noch ein paar Tage Urlaub gemacht. Da war nochmal Zeit für viele Blicke auf die Stadt und die letzten Fotos (je kürzer die Zeit wurde, desto touristischer meine Fotos...).

Letzte Tage in Stockholm

Dann aber ging es los, die Koffer und Taschen wurden ins Auto gepackt, bis es wirklich picke-packe-voll war, und plötzlich waren die Türen zu und wir fuhren die Straße runter, und die nächste Zeit konnte ich nur noch heulen. Aber das ging vorbei, und bald waren wir auch schon im Straßendjungle von Stockholm untergegangen, bis wir uns auf die Autobahn nach Uppsala durchgeschlagen hatten. Dort machten wir unseren ersten Zwischenstopp bei Mormor, die uns wunderbar bewirtete. Endlich war dann auch Zeit für die Reiseplanung (ja, das war etwas spät...!). Naja, etwas Zeit für Uppsala blieb trotzdem, und da kannte ich mich inzwischen ja schon aus. Aber es war wirklich toll, noch einmal dort zu sein, und jetzt sogar bei richtigem Sommerwetter. Willkommen und Rhabarbersaft, aber dann ging es am nächsten Morgen auch schon weiter.

Uppsala igen

Durch die schöne schwedische Landschaft fuhren wir nach Westen, bis wir gegen Mittag beim Schloss Gripsholm ankamen. Das Schloss liegt am Mälaren, dem See, der bis Stockholm reicht, und ist wirklich sehr schön. Trotzdem konnten wir nicht besonders lange bleiben, weil wir bis abends noch ganz schön viel Weg vor uns hatten. Den nächsten Zwischenstopp gab es in Sjötorp, wo der Götakanal in den Vänern, den größten See Schwedens, fließt. Gerade wurde dort ein Schiff verschleust, das war spannend, anzusehen. Allerdings, kam zur gleichen Zeit auch ein richtiges Unwetter auf, deswegen fuhren wir dann doch bald weiter. Jetzt waren die Vorzeichen natürlich nicht mehr perfekt zum Zelten, aber als wir gegen abend in der Nähe von Göteborg angekommen waren, hatte sich das schlimmste Wetter schon wieder verzogen, und wir konnten doch das Zelt aufbauen. So kam ich auch noch ein zweites Mail während meiner Zeit in Schweden zum Zelten, und dieses Mal waren sogar sommarliche Temperaturen draußen! Und auf dem Campingplatz hatten wir sogar dieses Mal Gesellschaft, neben uns wohnten nette Schotten, die man aber leider nur schwer verstehen konnte.

Gripsholm & Götakanal

Am nächsten Morgen machten wir uns auf nach Göteborg, um dort einen halben Tag lang die Stadt zu erkunden, immerhin die zweitgrößte in Schweden. Und Göteborg ist auch wirklich schön, die Kanäle und Boote mitten in der Stadt, der große Hafen, aber es ist halt einfach nicht Stockholm. Von Göteborg aus fuhren wir, immer noch bei sommerlicher Hitze, nach Süden, bis Helsingborg, von wo aus wir die Fähre nach Helsingör nahmen. Und schwupps lag Schweden hinter mir. Hejdå Sverige! Nun, und von da aus führte uns die Straße immer weiter südlich, bis zur Fähre, und die fuhr dann nach Deutschland, und dann war ich auch schon fast zu Hause. Ja, die Heimfahrt war schön, zwar traurig, aber schön.

Göteborg

04Juli
2014

Kofferpacken

Kofferpacken

Ich packe meinen Koffer und nehme mit... ein ganzes Jahr. All die Erinnerungen und Gedanken. Plötzlich hängen an der Pinnwand nicht mehr die Fotos und Postkarten, fehlen die Kraniche im Fenster, die Bücher im Regal und das Chaos auf dem Schreibtisch. Auf dem Boden liegen Koffer und drum herum alles Mögliche. Langsam packe ich zusammen, und je leerer das Zimmer wird, je weniger es "mein Zimmer" ist, desto verrückter fühlt sich das alles an. Es geht zurück "nach Hause" und gleichzeitig ganz weit davon weg. Die letzte Tunnelbanastation ist abgefahren (ja, wir haben alle 100 geschafft!), der letzte Cider getrunken, der letzte Blick vom Monteliusvägen auf die Stadt geworfen, das letzte Mal den Katarinahissen erklommen, lachend Kreise auf der Götgata ziehen, hierhin und dorthin, ein letztes Mal mit der Djurgårdsfärja, strahlender Abendhimmel über dem Strandvägen, Flaschenpost geworfen, der Kloß im Hals wird größer. Tschüss Stockholm, ich komme wieder!

Verprochen.

 

01Juli
2014

Helsinki

Kurz vor meiner Rückfahrt nach Deutschland stand für mich noch eine letzte Reise an: Ich würde meine Freundin in Finland, die im Februar in Stockholm gewesen war, in Helsinki treffen. Dafür ging es mit dem Kreuzfahrtschiff durch die Schären, allein das war schon toll. Und natürlich die Ausfahrt aus dem Stockholmer Stadtshafen mit dem wunderbaren Blick auf alles, was ich in den Monaten davor lieb gewonnen hatte. Da ich alleine unterwegs war, hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken, dass mir nach meiner Rückkehr aus Finland noch gut eine Woche in Stockholm bleiben würde, und sowas muss man ja auch erstmal verdauen. Viele meiner Freunde waren inzwischen schon abgereist, andere würde ich noch ein letztes Mal treffen. Aber jetzt erstmal Finland. Während der Fahrt war das Wetter nicht besonders gut, weswegen ich es leider nicht so lange auf Deck aushielt, wie ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Aber am nächsten morgen in Helsinki (Achtung: Zeitumstellung!) war traumhaftes Sommerwetter.

Fähre

Nachdem meine Freundin und ich uns gefunden hatten, sind wir erstmal Richtung Stadtzentrum gelaufen. Unterwegs kamen wir an der nicht so richtig schönen Orthodoxen Kirche und dem deutlich schöneren Dom vorbei, hatten uns aber vorallem schrecklich viel zu erhählen. Auf dem camppi, einem großen Platz, haben wir also erstmal Pause gemacht und uns gemütlich in die Sonne gesetzt. Dann waren wir dort noch in einer sehr schönen modernen Kirche, bevor wir uns auf den Weg zum Supermarkt gemacht haben, um für ein Picknick einzukaufen, dass wir dann, auf einem neuen Sonnenplatz gemütlich verspeisten. Das Merkwürdige im Supermarkt waren ehrlichgesagt die Euros. Mein Portemonnaie war ja noch voller Kronen und wie ging denn das eigentlich nochmal mit den Euros? Alles nicht so einfach! Immerhin ist Schwedisch ja Zweitsprache in Finland, mit der Verständigung und dem Verstehen gab es also weniger Probleme, zum Glück!

Nach dem ausgedehnten Picknick mit finnischen Spezialitäten wie Reispiroggen und Lakritzeis haben wir noch einen Abstecher in die nächste Kirche, die Steinkirche, gemacht. Von dort aus sind wir zum Sibeliusmonument gelaufen, das etwas außerhalb in einem Park liegt. Die Metallskulptur war wirklich interessant! Das fanden natürlich auch viele andere Touristen, aber troztdem konnten wir noch ein Plätzchen in der Sonne ergattern. Und dort saßen wir und quatschten und saßen und quatschten... bis! Nur noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Schiffes! Soetwas konnte auch nur uns beiden passieren! In letzter Minute (der letzte Aufruf ging grade durch die Lautsprecher) konnte ich noch an Bord rennen und damit war der Tag in Finland dann auch vorbei. Schön war's! Und es ist ja auch alles noch mal gut gegangen!

Zurück in Stockholm erwartete mich herlichstes Regenwetter und eine letzte Woche, die in vollen Zügen genossen werden wollte.

Helsinki

30Juni
2014

Wenn...

Wenn

Wenn du für einen Blick auf Stockholm sogar bei gleißender Sonne und Hitze auf einen Berg kletterst. Wenn du bekannte Gesichter im Gewimmel der Großstadt entdeckst. Wenn du dich verläufst und trotzdem auf dem richtigen Weg bist. Wenn du gelernt hast, One Direction und Miley Cyrus einfach auszublenden. Wenn der Himmel leuchtet, wenn du nachts heim kommst. Wenn die Ostsee fast "so warm ist wie Tee". Wenn du mit dem Fahrrad den Berg runter rast, dir der Wind um die Nase pfeifft und du einfach lachen musst. Wenn die Liste immer länger statt kürzer wird. Wenn du die B-Promis in deiner Tunnelbana sofort erkennst. Wenn du anfängst, das Zlatanometer in der Zeitung zu verfolgen. Wenn du kein Problem damit hast, ab 11 Uhr mittags mit dem Lunch anzufangen. Wenn du auf und nicht in den Supermarkt gehst. Wenn das Sprachenkuddelmuddel in deinem Kopf nicht mehr größer werden kann und du manchmal keinen klaren Satz rausbringst. Wenn du keine Gelegenheit auslässt, über den Sommerfahrplan zu mäckern. Wenn du tagelang einfach durch die Stadt laufen könntest.

Wenn es am Schönsten ist...

...ist es vielleicht Zeit, aufzuhören.

Denn es könnte ja sein, dass es auch anderswo am Schönsten ist.

25Juni
2014

Midsommar

Midsommar

Neben Weihnachten ist Midsommar in Schweden der wichtigste Feiertag des Jahres, und irgendwie ist es ja auch DAS typische Merkmal für das Land der Elche, deswegen habe ich mich auch schon das ganze Jahr über darauf gefreut. Leider fehlte hier aber etwas, dass es bei Midsommar im Film einfach immer gibt: Das super Wetter. Wir hatten zwischen 15 und 20°, Wolken mit Sonne und Regen. Aber im Vergleich zu Norrland war das noch richtig gut, ganz weit oben haben die Leute Schneemänner bauen können, habe ich gelesen... Also kann ich mich wirklich nicht beklagen.

Mein Midsommarfest fand auf der Schäreninsel Sandhamn statt, einer wunderschönen Insel ziemlich weit draußen, auf der sonst oft bis zu 1000 Leute die Sonnenwende begehen. Aber manch einem war es dafür dieses Jahr wahrscheinlich etwas zu kalt, jedenfalls war schon auf dem Schiff gar nicht so viel los, und als wir morgens gegen 11 ankamen, waren wir noch fast alleine. Dadurch konnten wir dann direkt die Picknickdecke aufschlagen und den Einheimischen zusehen, wie sie den Maibaum mit Birkenblättern dekorierten. (Achso, Maibaum, oder majstång, heißt das Ding übrigens nicht, weil jemand mit den Monaten durcheinander gekommen ist, sondern, weil es aus Deutschland importiert wurde, aber hier tanzt man halt etwas später.) Neben dem vielen Schwedischen auf dem Festplatz fiel und dann bald übrigens etwas sehr deutsches in die Augen: Der SWR war nämlich da, um alles festzuhalten. Da sieht man mal wieder, wie schwedenverrückt wir doch alle sind! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute aus irgendeinem anderen Land so viele Dokus über das Midsommarfeiern und den Sommer im Schärengarten brauchen. Aber so kann ich dann jedenfalls irgendwann im Dezember "Länder, Menschen, Abenteuer" einschalte und mir beim Midsommartanz zugucken.

...Ja, die Midsommartänze. Das ist wirklich etwas besonderes! Alle machen mit, wenn es um die kleinen Frösche ohne Ohren, die Musikanten, das Karussel, den Fuchs und all die anderen Gestalten geht, singen, hüpfen, rennen im Kreis oder im Zickzack oder in der langen Reihe oder... Für uns Deutsche gab es zum Glück ein Textblatt, da konnte ich mich erstmal kurz einlesen, aber dann ging es auch so ganz gut. Oh, und Idas Sommarvisa haben wir natürlich auch gesungen!

Zusätzlich zu den Tänzen braucht man noch Kränze, die haben wir aus Birkenzweigen und Blumen gemacht und sind dafür durch den Wald gestiefelt, aus dem ich mit einem schönen Kranz, einem blutigen Daumen und 11 Mückenstichen wieder herauskam. Der Kranz war trotzdem super, bis ich zu Hause war, habe ich ihn aufgelassen, auch wenn man sich manchmal etwas wie Brigel der Büsch gefühlt hat und die Stockholmer (oder Touris?) es total spannend fanden...

Nach dem Tanz haben wir noch ein zweites Picknick am Strand eingelegt, aber so viel Zeit war dann auch schon wieder nicht, weil das letzte Boot um 19:30 fuhr. Vorher haben eine Freundin und ich noch schnell Zäune gesucht, über die wir klettern konnten (letztendlich wurden es dann mehr Geländer und sowas). Denn hier heißt es ja, wenn man über 9 Zäune kletterr und 9 Blumen pflückt, die man dann unter sein Kopfkissen legt, träumt man in der Midsommarnacht davon, wen man später mal heiraten wird. Problem an er Geschichte war, dass wir 7 in Erinnerung hatten, also kein Wunder, dass das mit dem Traum nicht funktioniert hat.

Ja, das ungefähr war mein Midsommar, kurz und knapp und leider ziemlich durcheinander und nicht besonders toll geschrieben, aber... die Zeit rennt und für mehr reicht es im Moment leider bei mir nicht. Tut mir Leid! Bis bald ihr Lieben!

15Juni
2014

Idas sommarvisa

Sommar

Du ska inte tro det blir sommar
ifall inte nå’n sätter fart.
På sommar’n och gör lite somrigt
för då kommer blommorna snart.

Jag gör så att blommorna blommar
jag gör hela kohagen grön.
Och nu så har sommaren kommit
för jag har just tagit bort snön.

Jag gör mycket vatten i bäcken
sådär så det hoppar och far.
Jag gör fullt med svalor som flyger
och myggor, som svalorna tar.

Jag gör löven nya på träden
och små fågelbon här och där.
Jag gör himlen vacker om kvällen
för jag gör den alldeles skär.

Och smultron det gör jag åt barna
för det tycker jag dom kan få.
Och andra små roliga ställen
som passar, när barna är små.

Och jag gör så roliga ställen
där barnen kan springa omkring.
Då blir barna fulla med sommar
och bena blir fulla med spring.

P.S.: Ja, das ist schwedisch, und ja, ich weiß, ihr könnt kein schwedisch, aber das ist einfach ein so schönes Lied, und falls ihr das nächste Mal Michel/Emil guckt, erkennt ihr es vielleicht wieder. Es geht darum, dass der Sommer kommt und was dadurch alles schöner wird, und weil das so wahr und so süß ist, musste ich es hier einfach einfügen...

12Juni
2014

Solen och dagen

Den som sa det, han var det
så vad ska jag säga, vad vill du av mig dag
du får mig att känna livet
du får mig att tro att allt kan bli sant

Laleh, Solen och dagen

 

Es wird abend. Die Vögel zwitschern lauter. Die Mücken kommen raus. Das Licht wird gelber. Irgendwann geht die Sonne unter. Hier zumindest noch. Seit Wochen steht in der Zeitung inzwischen für Kiruna ein Strich für die Zeiten von Sonnenauf- und -untergang. In Stockholm sind wir jetzt bei halb vier und 22 Uhr ungefähr. Und ja, irgendwie ist das komisch. Noch vor einige Monaten kam die Sonne nie über das Nachbarhaus gekrochen, da endeten die Tage schon am Mittag und eigentlich war ich immer müde. Den ganzen Samstag im Bett zu verbringen wäre da wirklich keine so große Herausforderung gewesen. Jetzt ist alles ganz anders. Denn selbst wenn die Sonne noch hinter dem Horizont verschwindet: Dunkel, richtig dunkel, wird es hier nicht mehr. Nachts um zwölf ist der Himmel hellblau, im Norden rot und orange, später leuchtet er gelblich, und dann kommt schon die Sonne wieder. Wie genau soll man da seinen Körper davon überzeugen, dass es trotzdem Zeit wird, schlafen zu gehen? So richtig habe ich das noch nicht raus, aber solange wie ich trotzdem ständig putzmunter bin, stört mich das auch nicht so richtig. Und wie schön, wenn um halb sieben der Wecker klingelt, und man (fast) völlig bereitwillig aufsteht, voller Tatendrang! Die Tage fühlen sich einfach unendlich an, unendlich gut, und trotzdem vergehen sie unglaublich schnell. Und da sind wir also wieder beim immer gleichen Thema: der Zeit. Denn genau die rennt mir einfach nur davon. Und während die Tage ihre Runden drehen, so lang sie auch sein mögen, bin ich wie gelähmt. Ich kann einfach nicht begreifen, was hier gerade passiert, dass hier alles dabei ist, vorbei zu gehen. Letztens habe ich eine Liste geschrieben. Alles, was ich im letzten Monat noch machen möchte. Jetzt ist der Monat schon angebrochen und die Liste weiterhin unglaublich lang. Und immer, wenn ich mich  grade wieder schlafen legen möchte (schon wieder ein Tag weniger?), und draußen noch alles hell ist, denke ich, dass ich jetzt irgendwo dort sein sollte, um das Licht zu nutzen, die Zeit nicht mit Schlafen zu vergeuden. Wenn nicht bald jemand die Uhren anhält, werde ich glaube ich wahnsinnig.

Lasst es euch gut gehen, ihr Lieben! Auch, wenn sich das noch nicht so richtig danach anhört, freue ich mich schon sehr darauf, euch wiederzusehen!

01Juni
2014

Einsame Handschuhe auf Söder

Ensama Vantar

Wie so ziemlich jede andere Stadt auch, hat Stockholm verschiedene Stadtviertel, die alle für etwas anderes stehen: In Östermalm wohnen die Reichen, in Gamla Stan sind die Touris, nach Rinkeby traut man sich besser nicht mehr nach 18 Uhr und so weiter. Dann gibt es Söder, eigentlich Södermalm, und auch wenn in den Reiseführern steht, dort lebten die ganzen Studenten und Hippster (was zumindest teilweise stimmt, wobei sich bestimmt nicht so viele Studenten die Preise dort leisen können), reicht das doch irgendwie nicht ganz, um Söder zu charakterisieren. (Wie bei den anderen Vierteln natürlich auch nicht, aber darum soll es heute nicht gehen.) Eigentlich ist auf Söder immer was los. Zumindest ab 11, vorher machen die Geschäfte dort eher nicht auf und man trifft auch sonst nicht so viele Leute. Dann aber kann man dort so ziemlich alles erleben, in den tollsten Cafés mit der witzigsten Dekoration, wo man im Glücksfall den alten, durchgesessenen Eichenstuhl mit grün-weiß gestreiftem Polster, auf dem man grade sitzt und seinen Hallonpaj ist, auch gleich kaufen kann. Vielleicht hat jemand hinter der nächsten Ecke einen kleinen Pappkaktus aufgestellt, und vielleicht hatte er dafür sogar einen guten Grund? Oder vielleicht hat jemand über die nächste Oberleitung ein paar Schuhe gehängt und wollte dir damit etwas sagen? Oder er hat es einfach so gemacht, weil man das auf Söder halt so macht. Wer weiß das schon? Und vielleicht, wenn du hier im Winter unterwegs warst, und deinen Handschuh verloren hast, hat dich gleich selbst jemand zum Ausstellungsstück gemacht, und du findest das vermisste Teil im Sommer im Baum hängen? Wenn du hier durch die Straßen läufst, fühlst du es direkt: Du bist in der Großstadt, hier ist alles erlaubt und wird noch viel mehr gemacht. Hier durch die Straße zu gehen, ist wie ein Gang durch eine riesige Abteilung des Stockholm-Museums, mit tausend versteckten Ausstellungsstücken und millionen Geschichten.

31Mai
2014

Auf der Sonnenseite

Abenteuer auf Öland - Teil 3

Solsida

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, strahlte die Sonne durch die Zeltwände. Der Regen der Nacht war abgezogen und hatte einem wunderbaren Maimorgen Platz gemacht. Womit könnte man einen solchen Tag also besser starten, als mit einem Bad im Meer? Das Schild mit der Aufschrift "Solsidan", also Sonnenseite, machte mir unterwegs schonmal gute Hoffnungen. Trotzdem war das Wasser ziemlich kallt. Aber das gehört ja auch zum Abenteuer dazu! Das Frühstück wurde zum Picknick am Strand umfunktioniert, einfach herrlich. Allein schon der Blick auf das "richtige Meer" mit Horizont und allem war unbezahlbar. Also haben wir gleich den ganzen Vormittag am Strand verbracht. Aber ganz so entspannt war das dann irgendwie doch nicht... Eine Freundin und ich hatten uns nämlich vorgenommen, unsere viersprachigen "Schweden-Flaschenpöste" auf Öland ins Wasser zu schmeißen. Da bot sich doch der Steg an unserem Sonnenstrand geradezu an! Oder auch doch nicht. Die Strömung jedenfalls trieb die Flaschen direkt wieder aufs Land zu, und so hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt. Also ging es nach dem Morgenbad zum zweiten Mal ins Wasser, dieses Mal auf Angeltour. Als wir letztendlich erfolgreich zurückkamen, war meine Hose bis zu den Knien nass, aber bei dem Wetter...

Trotzdem hatten wir uns für den Samstag ja noch einiges vorgenommen! Unterwegs kamen wir auch immer wieder an Ölands Wahrzeichen, den Windmühlen vorbei (auf schwedisch: Kvarn). Die meisten sind Väderkvarnar, also solche, die sich nach dem Wind drehen lassen, aus Holz. In einge konnte man sogar reingucken, auch spannend! Mit einigen Umwegen über seeehr schmale, sehr holprige und sehr steinige Sackgassen kamen wir letztendlich bis zum "låge Jan" an der Südspitze. Dort war einiges los, das Beste aber war: Man durfte die ungefähr 200 Stufen zum Leuchtfeuer hochlaufen, und von dort aus den einzigartigen Blick auf ganz viel "richtiges Meer" und Ölands Süden genießen. Das war toll, ich wäre am Liebsten dort oben geblieben!

Långe Jan

Nun stand (ich war nämlich doch runtergekommen) langsam die Heimreise an. Erstmal musste aber mal wieder ein Supermarkt her, für uns verwöhnte Stockholmer wieder eine richtige Odysse, erfolgreich zum Glück. Und dann führte uns der Weg durch die ganze schöne Landschaft bis zur Brücke, die 6 Kilometer übers Wasser, aus Kalmar hinaus, in den Norden. Abenteuer vorbei. Oder fast. Anstatt der Autobahn hatten wir uns entschieden, die Mönsteråser kustväg, eine weitere Küstenstraße, einzuschlagen. Und dabei kamen wir durch das schwedischste Dorf überhaupt, und uns fielen allen die Augen aus dem Kopf. Pataholm war ein einziges lebendiges Bilderbuch, Bullerby zum Anfassen, und das machte sogar mich, die ich Schweden ja inzwischen einigermaßen kenne, zur richtige, deutschen Touristin. Mit Leuchten in den Augen mussten wir trotzdem weiter ("HIER wohnen wir später mal alle!"), zurück in unser "normales" schwedisches Leben, und als wir Södertälje hinter uns gelassen hatten, der Nachthimmel in strahlendem rot, organe und gelb, war das Abenteuer dann leider wirklich zu Ende. Aber das war ja nur eines von vielen, und das nächste kommt bestimmt!

30Mai
2014

Nicht überall ist Stockholm

Abenteuer auf Öland - Teil 2

Am nästen Morgen wurde ich von den Vögeln geweckt, und das Beste daran war, dass ich geschlafen haben musste, wenn die Vögel mich hatten aufwecken können. War also gar nicht so schlimm gewesen, die erste Nacht im Zelt. Der Tag auf Öland begeann mit einem wunderbaren Frühstück auf dem Campingplatz. Da wir keine verderblichen Lebensmittel hatten mitnehmen können, gab es aufs Brot entweder Nutella oder die Resten des Pestos vom Vorabend. Ich kann mir Schlimmeres vorstellen! Die Zelte abzubauen ging dann auch deutlich schneller, als das Aufbauen (abgesehen von der Suche nach dem einen verschwundenen Hering, der jetzt also seine letzte Ruhe auf Öland gefunden hat). Dann konnte die Öland-Erkundung losgehen. Die Insel ist ziemlich lang (so lang wie Schleswig-Holstein) und schmal, an jedem Ende gibt es einen Leuchtturm, und der Plan war nun also, beide Leuchttürme einmal anzusehen. Am Freitag fuhren wir nach Norden. Der erste Zwischenstopp unterwegs war Borgholms Slott, die Ruine eines alten Schlosses an der Westküste der Insel. Die ganzen alten kaputten Sandsteine ware wirklich spannend, dann auch noch vor der Meereskulisse und der einzigartigen Insellandschaft. Wunderschön!

Borgholms Slott

Nur ein paar hundert Meter von der Schlossruine liegt ein anderes Schloss, Solliden. Dort verbringt die schwedische Königsfamilie ihre Sommer, und alljährlich wird hier der Geburtstag der Kronprinzessin gefeiert. Dort haben wir uns also auch umgesehen, sind dann aber weitergefahren. Und zwar nach Borgholm, eine der "großen" Städte auf Öland. Nun, groß ist halt relativ. Deutlich aufregender als Borgholm war die Fahrt auf der Küstenstraße nordwärts. Die war ganz schön holprig und schmal, führte wirklich nah am Wasser vorbei und bot deswegen eine großartige Aussicht. An einigen Stellen hatte man viele hohe Türme aus den Schiefersteinen gebaut, die überall an der Küste vorkommen, und auch wenn der Himmel dahinter grau war, sahen die wirklich toll aus. Nach einiger Zeit wurde uns der Weg dann aber etwas holprig, und wir bogen wieder ab auf eine richtige Straße aus Betong und mit all solchem Schnick-Schnack. Die führte hoch bis zum låge Erik, dem Leuchtturm an der norra udde. Dort war das Wetter leider immer noch ungemütlich, aber bei Regen und Wind kann man es am Meer doch eigentlich noch sehr gut aushalten. Das Wetter passte jedenfalls irgendwie zur Umgebung. Weniger gut allerdings zum Zelten...

Norra Öland

Langsam wurde es abends, die Wolken wurden dunkler, und mir immer mulmiger. Ob unsere alten Zelte in irgend einer Weise wasserdicht waren, wusste eigentlich kein Mensch. Vorher musste aber noch ein Zeltplatz her. Eigentlich dachten wir, auf halbem Weg zurück nach Borgholm einen gefunden zu haben, aber da hatten wir die Rechnung ohne Borgholm gemacht. Der nächste geöffnete Supermarkt lag nämlich 40 Kilometer weiter südlich in Borgholm. Und damit auch unser Abendessen. Wer hätte auch damit rechnen können, an einem Freitagabend um acht auf  Öland? Ja, nicht überall ist Stockholm... Zum Glück funktionierte dann aber doch alles, nach der Reise zum Supermarkt fanden wir auch einen super Campingplatz bei Borgholm, hatten in Rekordzeit unsere Zelte aufgebaut, und die dunklen Wolken waren immer noch in weiter Ferne. Die erreichten uns auch erst, als wir in den Schlafsäcken lagen, dieses Mal doppelt so dick angezogen. Und auch wenn es bestimmt nicht wenig geregnet hat, habe ich in dieser Nacht großartig geschlafen!

29Mai
2014

Immer nach Süden

Abenteuer auf Öland - Teil 1

Öland 1

Das kürzeste schwedische Wort besteht aus genau einem Buchstaben. Und dieser eine Buchstabe bedeutet trotzdem ganz schön viel: Insel nämlich, also ö. Irgendwie ist eine Insel ja doch immer etwas besonderes, und selbst wenn ich ja jetzt auch seit Monaten auf einer einbuchstabigen Insel wohne, finde ich es immer noch toll, dass man einfach überall loslaufen kann und schwupps ist man am Wasser. Über das lange Wochenende hab ich mit Freundinnen nun eine neue Insel unsicher gemacht, und zwar Schwedens zweitgrößte, Öland.

Am Donnerstagmorgen ging der Roadtripp los. Damit nämlich, dass tausend Kilo Gepäck bestehend aus Zelt, Isomatte, Schlafsack, Nudeln, Regenklamotten und was nicht alles mit dem Zug nach Stockholm befördert werden mussten, um dort ins Mietauto verladen zu werden. Als wir dann alle und alles eingesammelt hatten, konnte die Fahrt gen Süden beginnen, über die E4 und die E22 bis nach Kalmar. Schwedische Autobahn ist schon etwas Besonderes: Es geht immer vorbei an Bilderbuchlandschaft, Seen, einsamen roten Häusern und Wald und ich könnte stundenlang aus dem Fenster gucken und plötzlich führt die Straße in einen Ort und man steht vor einer Ampel. Und dann geht es weiter durch die großartige Natur. Immer nach Süden ging es, und irgendwie wurde mir dabei bewusse, dass ich jetzt schon ein halbes Jahr lang nicht mehr so weit südlich war, wie an diesem Wochenende... Wie auch immer kamen wir am späten Nachmittag in Klamar an, von wo aus die Brücke dann nach Öland führt. In Kalmar haben wir aber erst noch das Schloss besichtigt und sind durch die Altstadt gelaufen. Da Klamar aber nicht mal für schwedische Verhältnisse besonders groß ist, gab es dort nicht so viel zu sehen. Eines aber schon: Richtiges Meer, bis zum Horizont, und sofort war ich wieder richtig glücklich.

Nach sechs Kilometern Brücke hatten wir das Festland für die nächsten Tage hinter uns gelassen und waren wirklich auf Öland angekommen. Dort konnte dann das Abenteuer so richtig beginnen: Der Campingplatz musste gesucht, die Zelte aufgebaut werden. Belohnt wurden wir mit einem wunderbaren Sonnenuntergang über dem Meer. Dann war Schlafenszeit. Leider war ich für die Temperaturen nicht warm genug angezogen und konnte deswegen nicht sehr gut schlafen. Aber was solls? Soetwas gehört zu einem ordentlichen Abenteuer schließlich dazu!

24Mai
2014

Schärengarten und erste Schwimmversuche

Schären

Rote Holzhäuser. Felsenküste. Kiefern. Ein kleiner Steg. Ein Steinstrand. Fertig ist die Schäreninsel. Oder wie ist das? So ähnlich jedenfalls schon. Und am Besten genießt man das ganze bei strahlendem Sonneschein, wenn das Meer tiefblau ist und der Himmel von keinem Wölkchen getrübt wird. Heute also.

Das hatten sich natürlich so ziemlich alle Stockholmer gedacht, so dass die Boote richtig voll waren und die kleinen Inseln dann natürlich plötzlich auch. Irgendwann habe ich dann aber, ich war mit Freunden auf Grinda, trotzdem ein ruhiges Plätzchen gefunden. Und dort war es genau so lange ruhig, bis eine Freundin und ich beschlossen, dass es Mitte Mai eindeutig an der Zeit sei, endlich mal baden zu gehen. Aja baja, das war aber kalt! Trotzdem sind wir ein ganz schönes Stückchen geschwommen, und das Gefühl hinterher war einfach großartig! Den restlichen Nachmittag haben wir in unserer Bucht verbracht, den Möwen zugehört, die Boote beobachtet und die Sonne genossen, und als ich dann eben wieder heim kam, war ich sogar richtig braun geworden!

Das war also mein Samstag. Ich hoffe, ihr habt auch einen schönen Tag gehabt!

23Mai
2014

Und ob!

"Bei dir passiert wohl gar nichts mehr, du hast schon so lange nicht mehr in deinen Blog geschrieben", hat eine Freundin letztens zu mir gesagt. Teilweise ist das richtig: Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Aber passieren tut hier so einiges. Zum Einen ist hier natürlich erstmal der Sommer passiert. Es ist unglaublich sonnig und warm und hell. Und dadurch ist ziemlich viel los. Das wiederrum trifft sich gut, denn neben dem Sommer ist ja noch etwas passiert: Die "Torschusspanik" (ich finde kein besseres Wort für das). Inzwischen ist nur noch so wenig Zeit übrig, in der so unglaublich viel noch geschehen soll, dass ich eigentlich jede freie Minute außer Haus verbringe. Und da ist es dann wieder toll, dass die Tage unendlich lang und schön sind. Das alles passt super zusammen, die letzten Wochen waren voller wunderbarer Tage. Gleichzeitig scheint die Zeit dadurch noch schneller zu verfliegen.

Was also habe ich so erlebt?

Ausflug nach Järna und Stensund

Ausflug

Am letzten Wochenende hatte meine Freundin in Järna, auf dem Land bei Södertälje, Geburtstag. Am Samstag haben wir von ihr aus einen Ausflug zu einer båtbyggarskola gemacht, an der Tag der offenen Tür war. Die neu gebauten Boote wurden von den Schülern zu Wasser gelassen und mussten dann dreimal um einen Zweig rudern, um ihre Seetauglichkeit zu beweisen. Diese sehr typische Tradition nennt sich auf schwedisch sjösättning (ein ziemlich kompliziertes Wort im Übrigen, da man als Deutscher einfach nicht in der Lage ist, den schwedischen sj-Laut vernünftig auszusprechen) und war ziemlich interessant. Vor Allem war die Umgebung dort aber auch wunderbar, und man konnte super in der Sonne liegen und die neu gewonnenen Farben überall genießen.

Konzerte im Gröna Lund

Im Stockholmer Freizeitpark Gröna Lund finden im Sommer immer ziemlich günstige Konzerte statt. Und es macht einfach Spaß, unter dem blauen Abendhimmel zu stehen, unter lauter Schweden, und dann die schwedischen Texte mitzusingen, von denen ich noch vor einem Jahr kein Wort verstanden hätte.

Zum letzten Mal...

Ja, inzwischen haben sie schon angefangen, die letzten Male. Mit ihnen schleicht sich der Abschied langsam an. Sowohl mein Sprachkurs als auch die Treffen in der deutschen Kirche sind letzten Mittwoch zuende gegangen. Unglaublich, beides gehörte so fest zu meinem Schweden-Alltag, all die Monaten lang, und nun ist das einfach vorbei...

Ja, und dann natürlich noch vieles, vieles mehr, aber um das jetzt alles aufzuschreiben, ist die Zeit etwas kurz... Also, lasst es euch gutgehen! PoK

09Mai
2014

And suddenly we were inhabiting the horizon.

Langsam aber sicher hat vor einiger Zeit alles angefangen, irgendwie etwas anders zu werden. Ich könnte den Finger nicht auf einen konkreten Moment legen, aber inzwischen ist es so, wie es vorher noch nicht war. Sakta men säkert nähert sich die Zeit dem Horizont, geht das Schwedenjahr in die Zielgerade. Noch gibt es keinen Termin, zu dem alles hier zu Ende sein soll, aber trotzdem wirft das noch unbekannte Datum bereits jetzt große Schatten. Bald laufe ich nicht mehr durch Gamla Stan, sauge den Geruch der frischgebackenen Eiswaffeln ein und nehme eine Abkürzung durch die besonders engen Straßen, um nicht über die dummen deutschen Touristen zu stolpern. Und deswegen fühlt es sich schon jetzt irgendwie anders an. Bald steige ich nicht mehr in die Tunnelbana, dörrarna stängs, und bin neun Minuten später mitten im Centrum, oder fahre noch mal zwei Stationen weiter, werfe unterwegs einen Blick aus dem Fenster, auf meine Stadt, und kann nicht anders, als zu lächeln. Und deswegen fühlt es sich schon jetzt irgendwie anders an. Bald treffe ich nicht mehr all die vielen Menschen, die mein Stockholm ausmachen, auf ein Gemüsegulasch in der Deutschen Kirche, einen Tee im Vete Katten, einen Spaziergang im Wald oder einen verrückten Sonntagsausflug. Und deswegen fühlt es sich schon jetzt irgendwie anders an. Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem ich nicht irgendwann daran denke, dass alles bald vorbei sein wird. Nicht, dass dann alles vorbei wäre. Nur halt alles hier, alles, was mir grade so unglaublich gut gefällt, und was doch eigentlich auch einfach immer so weiter gehen könnte. Aber das geht natürlich nicht, und das hat ja, wenn ich ganz, ganz ehrlich bin, auch etwas Gutes, schließlich muss es irgendwann ja auch mal weitergehen und man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Trotzdem, ich kann mir im Moment nicht vorstellen, wie es sein wird, von hier weg zu gehen. Ich möchte mir das noch gar nicht vorstellen! Gut, dass noch etwas Zeit bleibt, um hier alles zu genießen.

02Mai
2014

99 Luftballons, Schnee, ein Ausflug aufs Land und viel zwischendrin

April

Gut, dass inzwischen Mai ist, sonst würdet ihr das, was ich jetzt gleich berichte, wahrscheinlich  für einen Aprilscherz halten (wie die Froschschenkel, die übrigens auch keiner waren!). Oder könnt ihr euch vorstellen, dass ich zusammen mit sieben anderen deutschen Mädels auf einer Bühne mitten in Stockholm gestanden habe, um vor wer weiß wie vielen Leuten "99 Luftballons" zu singen? Sag ich ja. Aber es war trotzdem so, und dafür gab es auch einen Grund: Am 30. April ist in Schweden Valborg, etwas in der Art wie Walpurgisnacht. Abends gibt es Fackelzüge und man zündet Feuer an, um den Winter und die bösen Hexen zu vertreiben. Ich habe den Valborgsafton mit der deutschen Kirche auf Riddarholem verbracht, von wo aus man nämlich einen schönen Überblick auf Stockholm hat. Neben dem Feuer war dort auch eine Bühne aufgebaut, auf der Jedermann sich austoben dürfte, und das wollten wir natürlich auch. Und so kam es also zu den 99 Luftballons in Stockholm. Das hat ziemlich Spaß gemacht und ich bin echt ein bisschen stolz darauf, dass ich mich das getraut habe - bevor ich nach Schweden gekommen bin, hätte ich das mit Sicherheit nicht gemacht!

Um noch mal auf den Mai zurückzukommen: In Schweden gibt es anscheinend kein April-, sondern Maiwetter, das macht, was es will, jedenfalls hat es gestern endlich mal wieder geschneit, und ihr könnt euch vorstellen, wie groß da die Freude war! Vorallem, nachdem wir die letzten Wochen ziemlich stabiles, ziemlich gutes Wetter hatten. Da schienen in Stockholm plötzlich gleich doppelt so viele Leute zu wohnen, die sich auf Plätzen und Straßen drängten, und nach dem langen Winter wohlwollend wieder bereit waren, mehr nackte Haut zu zeigen, als nur den Schlitz zwischen weißen Converse-Turnschuhen und der Hochwasserhose. Im Moment ist der Grad nackter Haut im Regelfall wieder auf diesen mehr oder minder kleinen Streifen begrenzt, denn bei unserem Maiwetter hat es sich doch glatt wieder gelohnt, die warme Jacke auszupacken. Aber so ist das im hohen Norden. Immerhin haben wir inzwischen schon an den meisten Bäumen neues Grün, das hat sich über die Ostertage langsam angeschlichen. Schon vorher aber hatte die Stockholmer Natur ein großes Highlight zu bieten: Die Kirschblüten im Kungsträdgården waren der Magnet schlechthin, und auch ich konnte kaum in die Stadt fahren, ohne nicht mindestens einmal kurz einen Blick auf den rosa strahlenden Park zu werfen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Fotos jährlich von diesen Bäumen geschossen werden, aber es müssen unglaublich viele sein. Die Stimmung dort zur Kirschblütenzeit war jedenfalls einzigartig!

Was war sonst noch so alles los? Über Ostern und die Woche danach hatte ich tollen Besuch aus Deutschland, das war eine wunderbare Zeit! Zum Glück war da auch noch gutes Wetter angesagt, und wir konnten wir Zeit draußen in der Sonne verbringen. Am letzten Samstag war dann Kulturnacht in Stockholm. Viele Museen waren kostenlos bis 24 Uhr geöffnet und überall in der Stadt war etwas los. So bin ich endlich mal ins Schloss reingekommen, war im Stadsmuseet und im Liljevalchs und einer kleinen Gallerie auf Söder. Das Tollste war aber eigentlich das Dach vom Konserthuset. Dort kommt man als Normalsterblicher eigentlich nicht drauf, aber zur Kulturnacht wurden extra Führungen angeboten. Eigentlich hatten wir dafür keine Karte mehr ergattert, aber dann kam eine Frau vorbei, die zwei überhatte, und so kam ich also doch noch aufs Dach. Großartig! Der nächste Tag, der Sonntag, war dann genau so großartig, ich war nämlich mit Freunden bei einer Freundin på landet, auf dem Land. Zusammen sind wir mit dem Paddelboot auf den See rausgefahren. Das war ganz schön abendteuerlich, denn gerade am Anfang ging es einfach nur immer im Kreis. Zum Glück hatten wir irgendwann dann doch den Dreh raus, und kamen auch ein bisschen voran. Bei strahlend blauem Himmel konnte ich so Schweden von seiner schönsten Seite genießen. Abends haben wir dann noch ein Lagerfeuer mit Stockbrot gemacht, auch am See, das war total schön, und noch nicht mal kalt. Ach, ich liebe Schweden!

 

17April
2014

Kartoffelbrei in Pink oder: Skärtorsdagen

In Schweden ist der Gründonnerstag pink. Der Donnerstag vor Ostern nennt sich hier nämlich Skärtorsdagen, und "skär" ist ein altes Wort für "pink". Dass das heute eine ganz spezielle Bedeutung haben sollte, darauf werde ich gleich zurückkommen.

Vorher noch schnell ein paar andere Infos zum Skärtorsdagen. Der ist nämlich mit einer besonderen schwedischen Tradition verknüpft, den Påskkärringar. Man glaubt(e), dass sich am Gründonnerstag die Hexen auf ihren Besen auf den Weg zum Blåkulla, dem schwedischen Blocksberg, machen, um dort den Teufel zu treffen. Heute verkleiden sich die schwedischen Kinder am Skärtorsdagen als Hexen und ziehen von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu bekommen. Bis jetzt hat bei uns noch keine Hexe angeklopft, und ich habe auch noch keine auf dem Weg zum Blåkulla gesehen, aber das kann ja noch kommen!

Und jetzt zurück zun "skär". Meine Gastmutter kam auf die Idee, dass am Pinkdonnerstag doch auch gerne das Essen pink sein könnte, und deswegen gab es bei uns heute blassrosa Dorsch (das Einfärben hat da nicht so gut funktioniert) und knallrosa Kartoffelbrei, ein kulinarisches Highlight, das ich euch nur empfehlen kann!

Skärtorsdagen

16April
2014

Uppsala

Nördlich von Stockholm liegt eine Stadt, die fast klingt, wie ein Missgeschick: Uppsala. (Jedenfalls, wenn man es deutsch ausspricht. Auf Schwedisch klingt es eher wie "Uppsola".) Hier lebte der berühmte Botaniker Carl von Linné, steht die höchste Kirche des Nordens, fahren fast so viele Fahrräder, wie in Münster, und gibt es auch sonst viel zu entdecken!

Uppsala

Außerdem lebt hier die Mormor (also die Oma mütterlicherseits) und bei der verbrachten Kind und ich ein paar Tage der Osterferien. Für mich war das super, weil Mormor nur zu gerne ab und zu mal barnvakt war, und ich dann losziehen durfte, um mir die Stadt anzugucken. Und nach nur einer halben Stunde Möwengeschrei, Sonnenuntergang zwischen den alten Gemäuern und Wasserplätschern unter den vielen Brücken war auch der Stress vergessen, der sich in den Tagen vorher etwas eingeschlichen hatte, als ich langsam mal wieder genug hatte von Justin Bieber, Kleidereinsammeln, Schimpfen, Tanzen und iPad-Spielen. Ganz ohne alles das ging es natürlich auch bei Mormor nicht, aber was solls? Oft waren wir auch im Museum, zum Beispiel in der Schatzkammer des Doms. Ich fand besonders die Ausstellung in der Universitätsbibliothek spannend. Dort wurde unter anderem die Silberbibel gezeigt, eine Bibel in gotischer Sprache, die schon ziiiemlich alt ist (ich finde grade den Zettel nicht, auf dem ich mir alles schön fleißig notiert hatte, aber ihr könnt das gerne selbst recherchieren, falls euch die Informationslage hier nicht reichen sollte). Außderdem gab es eine großartige, ebenfalls ziemlich alte Karte, auf der der Norden so abgebildet war, wie ihn sich die Menschen vor eben dieser ziemlich langen Zeit vorgestellt hatten. Sich da zurechtzufinden, war nicht ganz so einfach! Ansonsten waren wir im Kino (Frost, ich glaube, bei euch heißt der "Die Eiskönigin"...), haben auf Mormors Klavier rumgeklimpert und auf dem Balkon die Sonne gesessen. Jetzt sind wir also zurück in Stockholm, und bald ist Ostern und ich bekomme Besuch!

Lasst es euch gutgehen! Pok

07April
2014

Farvel Oslo! Hej Stockholm igen!

Oslo, wieder im Nebel

Der letzte Tag in Oslo war eigentlich nur ein halber, denn um halb vier ging unser Zug nach Stockholm. Bis dahin wollten wir noch möglichst viel sehen, erstmal Oslos wohl berümtestes Kunstwerk, den Schrei von Munk. Blöd nur, dass im Munkmuseum gerade die Ausstellung umgebaut wurde, und man deswegen nur cira sieben Bilder und einen Film zu sehen bekam. Den Schrei hingegen nicht, und auch sonst logischerweise wenig, was ich eigentlich gerne gesehen hätte. Ich muss also zurückkommen! Die verbleibende Zeit nutzen wir, um uns das Rådhus, also das Rathaus, anzuschauen, das voller bunter Wandgemälde ist. Das war schon interessanter und lohnenswerter! Dann mussten wir noch unsere letzten norwegischen Kronen auf den Kopf hauen, bevor es zurück nach Stockholm gehen konnte. Erneute sechs Stunden Zugfahrt lagen zum Glück irgendwann hinter uns. Als wir dann aus der Södra Station ausführen, in Slussen aus der Stockholmer Unterwelt hinauskamen, den Blick auf Gamla Stan rechts und das Stadshuset links, da überkam mich ein richtiges Gefühl von Heimat. Oslo ist schön, aber Stockholm ist schöner - und noch dazu mein Zuhause!

06April
2014

Det er mye å se til tross for tåken!

Ausflug nach Oslo - 2. Tag

Der zweite Tag in Oslo fing ersteinmal mit der Geburtstagsfeier an, für die wir einen behelfsmäßigen Geburtstagstisch in unserem Hostelzimmer aufbauten. Dann ging es auf in die Stadt. Das Wetter war etwas besser als am Freitag, auch wenn es immer noch grau und nebelig war, wurden wir wenigstens nicht mehr nass. Auf dem Weg zur Anlegestelle der Fähre kamen wir wieder an der Oper vorbei, die wir uns nun also nocheinmal im Tageslicht angucken konnten. Da war sie immer noch wunderschön. Wenn ich mir einen Lieblingsplatz in Oslo aussuchen sollte, wäre das glaube ich die Oper. Mit der Fähre fuhren wir dann ungefähr eine halbe Stunde im Oslofjord von Insel zu Insel. An Bord waren viele Leute, die dort lebten und ihre Einkäufe nach Hause brachten, oder andere, die mit Angeln ausgestattet ihr Abendessen im Fjord einfangen wollten. Zwischendurch kam sogar einmal die Sonne heraus und es zeigte sich ein kleiner Fleck blau am Himmel! Auf festem Boden angekommen, besichtigten wir die Festung Akershus, in der sich auch das königliche Mausoleum befindet, wo heutzutage die norwegischen Könige begraben werden. Der nächste Programmpunkt nach dem Mittagessen (lunsj) war das Schloss, wo gerade die Wachablöse stattfand. Naja, diese einstudierte Show wirkte genau wie in Stockholm auch eher lächerlich. Spannender war da schon der Mann, der unterhalb des Schlosses auf einem Platz riesige Seifenblasen machte und von vielen freudestrahlenden Kindern umringt war. Weiter ging es dann aber trotzdem. Der Holmenkollen, die große Skisprungschanze, die sich auf einem Berghang im Umland von Oslo befindet, wartete auf uns. Dorthin fuhren wir eine halbe Stunde mit der Tunnelbane, die allerdings nach einigen Stationen schon über der Erde unterwegs war. So konnte man aber dafür genau verfolgen, wie es immer weiter bergauf ging, und die Aussicht genießen. Nach einem Sprint bergauf und einer Fahrt mit dem Aufzug waren wir dann endlich, kurz vor Schluss übrigens, auf der Schanze angekommen, und konnten ganz Oslo zu unseren Füßen liegen sehen. Die Aussicht war wirklich gut, auch wenn sie ohne Nebel sicherlich beeindruckender gewesen wäre... Aber auch so konnte man einen guten Eindruck gewinnen! Und auch die Sprungschanze selbst war schon ganz schön beeindruckend, ich jedenfalls würde da denke ich nicht hinunterspringen wollen!

Oslo im NebelEin Nachteil von Oslo ist, dass die Museen sehr früh schließen. Als wir um halb fünf vom Holmenkollen zurück kamen, wo wir übrigens um vier rausgeschmissen worden waren, hatte so gut wie gar nichts mehr auf, aber bei dem Wetter war Spazierengehen keine rechte Alternative. So waren wir noch im Nobel Friedenszentrum und dem Filmhuset, die so ziemlich als einzige noch nicht zu waren, bevor wir uns dann auf den Weg zurück ins Hostel machten.

Ein Vorteil von Oslo hingegen ist, dass es in Norwegen liegt. Und ein Vorteil von Norwegen ist, dass man dort Norwegisch spricht. Und was ist nun der Vorteil von Norwegisch? Nun, wer Schwedisch kann, kann eigentlich auch Norwegisch, jedenfalls kann man sich dort hervorragend verständigen und eigentlich alles verstehen (vor Allem, wenn man auch Deutsch kann). Das ist echt ein witziges Gefühl, in ein fremdes Land mit einer eigentlich fremden Sprache zu kommen, mit der man sich noch nie beschäftigt hat, und trotzdem alles zu verstehen! Und auch sonst gefiel mir Norwegen bis jetzt ziemlich gut. Nur, dass die Straßenschilder ein langweiliges, deutsches Weiß, und kein schwedisches Gelb hatten, damit konnte ich mich nicht so anfreunden. Ansonsten war aber an den schwedischen Lästereien bis jetzt wenig dran gewesen! Aber ein Tag blieb ja noch, um vielleicht alle Vorurteile zu bestätigen...

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